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Richtig reffen

Seemannschaft/Links


Früh reffen ist gute Seemanschaft

Unter Vollzeug verlässt die 40 Fuß-Yacht den Hafen, zieht raumschots hinaus auf See. Ein herrlicher Segeltag, die Mannschaft genießt bei besten äußeren Bedingungen das schnelle Segeln. Es frischt auf, das Schiff läuft geschoben von der sich aufbauenden See nahezu Rumpfgeschwindigkeit. Doch Sonne, ein klarer wolkenloser Himmel scheinen den Blick für die Realität zu verwischen.

Nach 4-5 Stunden - die Yacht droht zwischenzeitlich mehrere Male aus dem Ruder zu laufen - muss der Rudergänger hoch an den Wind gehen, um den Zielhafen zu erreichen. Und jetzt wird es hart. Die Yacht ist kaum auf Kurs zu halten, luvt unter viel zu großen Segeln bis in den Wind, lässt sich nicht mehr kontrolliert steuern. Dem Skipper fehlen erfahrene Leute in der Crew, die jetzt das schon lange überfällige Reffen kompetent erledigen können. Er kann seine Position am Ruder nicht verlassen, da es keinen adäquaten Ersatz für ihn gibt. Grünes Wasser steigt ins Cockpit, unter Deck herrscht Chaos, da die Yacht vorm Auslaufen nicht seefest gemacht wurde.

Hoffen wir, dass die Mannschaft die restlichen Meilen bis zum schützenden Hafen übersteht, und außer einer schlechten Erinnerung an den "Sturmtörn" keine gravierenden Schäden zurück bleiben.
Parallel ist eine Yacht unterwegs, deren Besatzung schon beim ersten Auffrischen des Windes ein Reff eindrehte, und kontinuierlich mit sich steigernder Windstärke die Segelfläche weiter reduzierte. Es ist der Crew anzusehen. Der Törn machte Spaß, das Boot war jederzeit leicht zu kontrollieren, Welle und Geschwindigkeit der Yacht stimmten überein, die Bewegungen des Bootes waren angenehm, die Crew wurde zu keinem Zeitpunkt überfordert, Schiff und Mannschaft waren auf den Starkwind vorbereitet.

Die Belegschaften der Charter-Stützpunkte können über das Thema endlose Geschichten mit nahezu einhelligem Fazit erzählen: "Chartercrews reffen zu spät, am liebsten gar nicht." Das ist natürlich eine überzogene Verallgemeinerung, doch die Statistik belegt, dass die häufigsten Schäden am Segelstell, durch zu spätes und wenig fachmännisches Reffen passieren. Das mag an unzureichender Einweisung bei der Übergabe liegen, hat häufig mangelnde Erfahrung als Ursache und ab und zu muss man auch Selbstüber- oder Fehleinschätzung der Situation registrieren. "Früher Reffen ist gute Seemannschaft, nicht Zeichen mangelnder Courage !" Und wer einige wenige wichtige Handgriffe dabei verinnerlicht und auch einsetzt, ist immer auf der sicheren Seite.


Reffen des Vorsegels
Nahezu 100 % aller Charteryachten sind mit Vorsegel-Rollreffsystemen ausgerüstet, die einen technisch hohen Standard präsentieren, und nur in Ausnahmefällen störanfällig sind. Doch trotz aller Raffinessen wie Schaumvorlieken und Freilauf der Trommel, ein gerefftes Segel arbeitet nie so effektiv wie ein ungerefftes, und benötigt daher einstellende Korrekturen der Mannschaft. Viele Anlagen - so z.B. die häufig vertretene "Furlex" ist mit einer speziellen Flachreff-Funktion versehen, bei der das Vorstagprofil zuerst den "Bauch" aus dem Segel dreht, ehe der Segelhals folgt. Beim Reffen ist es wichtig, immer ein hart gerolltes Segel zu bekommen. Dadurch wird das Segel geschont und eine verbesserte Segelform erreicht.



Reffen des Großsegels
Immer mehr Charteryachten sind mit Großsegel-Rollreffanlagen ausgerüstet, die das Segel in den Mast rollen. Macht man sich mit der Technik vertraut, wird schnell klar, auf welche wichtigen Punkte in der praktischen Bedienung zu achten sind. Das in der Hohlkammer des Mastes befindliche Rollstag kann das Tuch des Großsegels nur aufnehmen, wenn es unbedingt faltenfrei in die Nut kommt. Dank Selftailer-Winschen oder Schneckenantrieben sind leichte Widerstände beim Aufrollen jedoch kaum spürbar, so dass - wenn mit Gewalt gearbeitet wird - Antrieb und schlimmstenfalls die Aufhängungen des Rollstages Schaden erleiden. Dann geht nichts mehr, und die Crew hat ein echtes Problem.


Tipps


• Der beste Bug beim Reffen ist am Wind oder bei halbem Wind
• Arbeiten Sie kontrolliert mit Schot und Reffleine. Die Schot wird kontinuierlich unter leichtem Druck freigegeben. Unbedingt nur so viel Tuch freilassen, wie von der Reffleine weggerollt wird.
• Verändern Sie umgehend die Holepunkte auf der Schotschiene.
• Sollte der Segelmacher Reffpunkte in das Unterliek gearbeitet haben, unbedingt diese Punkte jeweils bis an die Vorliekkante bringen.
• Muss die teilweise verkleinerte Genua weiter gerefft werden, ist es für einen guten Segelstand besser, das Segel noch einmal ganz auszurollen, um dann auf den gewünschten Reffpunkt zu kommen.
• Das Großfall muss unbedingt bei der Bedienung der Reffleine gut durchgesetzt sein.
• Wie beim Rollreff-Vorsegel. Ausholer- und Reffleine gemeinsam bedienen. Beim Einrollen bzw. Reffen die Ausholleine leicht auf Spannung halten, nur dann wickelt sich das Segel eng ums Rollstag.
• Verfügt die Yacht über ein trimmbares Achterstag, vorm Einrollen das durchgesetzte Achterstag lösen, um die Biegung aus dem Mast zu nehmen.
• Der Ausholer ist parallel auch die Trimmung des Unterlieks. Bei den flach geschnittenen Rollgroßsegeln sollte viel mit dem Ausholer "gespielt" werden, um Profil in das Segel zu bekommen.

Quelle:
segeln kompakt: Charterwissen

 
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